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Wege in und aus der Werkstatt

Vom Antrag …

Zwei Wege führen in die Schleswiger Werkstätten: Entweder über einen „Rehaantrag“ oder über einen Antrag auf „Persönliches Budget“. Beide Anträge müssen beim jeweiligen Kostenträger eingereicht werden, wo zunächst einmal die Übernahme der Kosten geklärt wird. Für den Bereich der beruflichen Bildung ist dies in der Regel die Agentur für Arbeit, für den Arbeitsbereich das Sozialamt. In Ausnahmefällen werden die Kosten auch von Unfall- oder Rentenversicherungen getragen. Grundsätzlich schreibt der Gesetzgeber vor, dass weder die Betroffenen selbst noch ihre Angehörigen für die Werkstattkosten aufkommen müssen.

Wird ein „Rehaantrag“ gestellt und bewilligt, bedeutet dies, dass der jeweilige Kostenträger direkt mit den Schleswiger Werkstätten abrechnet. Damit sind sämtliche Leistungen der Werkstätten – vom Förderangebot über Unterbringung und Versorgung bis hin zum Fahrdienst – pauschal abgedeckt.

Der zweite Weg führt über das so genannte „Persönliche Budget“. Das „Persönliche Budget“ ist ein Geldbetrag, den Menschen mit Behinderungen, entsprechend ihres individuellen Hilfebedarfs, von den Kostenträgern erhalten, um damit erforderliche Leistungen zur Teilhabe in eigener Verantwortung „einzukaufen“. Damit eröffnet sich mehr als zuvor die Möglichkeit, selbst bestimmen zu können, von wem, wann und in welcher Form die erforderliche und gewünschte Unterstützung geleistet werden soll. Das Persönliche Budget bietet größere Spielräume der Selbstbestimmung, erfordert jedoch auch mehr Eigeninitiative.

Ist die Form der Kostenübernahme geklärt, folgt entweder die Aufnahme in den beruflichen Bildungsbereich oder in den Arbeitsbereich der Schleswiger Werkstätten:

… über berufliche Bildung …

In den Schleswiger Werkstätten wird Menschen mit Behinderungen in einem beschützenden Umfeld die Möglichkeit der beruflichen Bildung gegeben. Der Berufsbildungsbereich steht all jenen offen, die aufgrund ihrer Behinderung keinen anderen Arbeits- oder Ausbildungsplatz finden. Voraussetzung ist, dass die Agentur für Arbeit nicht bereits eine andere Maßnahme zur beruflichen Qualifizierung finanziert hat. Dies gilt für alle Schulabgänger.

Zurzeit bieten die Schleswiger Werkstätten Berufsbildungsmaßnahmen in 16 verschiedenen Berufssparten an. Die berufliche Bildung dauert in der Regel zwei Jahre. Während dieser Zeit wird ein Ausbildungsentgelt gezahlt.

… bis zum Arbeitsplatz.

Mit Beendigung der 2-jährigen Berufsförderung sind die Voraussetzungen für eine Beschäftigung in den Schleswiger Werkstätten erfüllt. Dies gilt auch, wenn die Berufsbildungsmaßnahme in einer anderen Einrichtung absolviert wurde. Es wird ein so genannter „Werkstattvertrag“ abgeschlossen, der u.a. Arbeitsentgelt, Sozialversicherung, Arbeitszeiten, Urlaub und ähnlich wichtige Fragen regelt.

Zurzeit ist die berufliche Bildung bzw. die Arbeit in den Schleswiger Werkstätten in folgenden Bereichen möglich: Pulverbeschichtung, Schlosserei, Zerspanung, Fahrradwerkstatt, Montage und Verpackung, Elektromontage, Bootsbau und -service, Spezialpalettenbau, Tischlerei, Reitsport- Hindernisbau, Garten- und Landschaftsbau, Biokompostierung, Bio-Landwirtschaft, Hauswirtschaft, Aktenvernichtung sowie Kerzenherstellung.

Daneben unterstützen wir auch bei der Suche nach Arbeitsplätzen außerhalb der Werkstatt. Wir arbeiten eng mit Integrationsfirmen und anderen Betrieben der Region zusammen, vermitteln Praktikumsplätze, helfen bei der Bewerbung … Unser Ziel bleibt stets die Eingliederung in den ersten Arbeitsmarkt!

Arbeitsbegleitung

Neben der beruflichen Qualifikation ist die Förderung der sozialen und lebenspraktischen Fähigkeiten ein wesentlicher Bestandteil unseres Betreuungsauftrages. Dies ist die Aufgabe der begleitenden Fachdienste. Qualifizierte Sozial- und Heilpädagogen, Physiotherapeuten und Sportlehrer sowie viele weitere Fachkräfte stehen den Betroffenen hier zur Seite. Sie beraten, fördern und begleiten auf vielfältige Weise: Sie unterstützen im Umgang mit Behörden und Ärzten, klären Kostenfragen, arbeiten eng mit Angehörigen und gesetzlichen Betreuern zusammen, helfen in Krisen- und Konfl iktsituationen, erstellen individuelle Hilfspläne und bieten ein umfangreiches Angebot an arbeitsbegleitenden Maßnahmen an.

Zahlreiche sportliche, musische, kreative, kulturelle und allgemein bildende Förderangebote, die während der Arbeitszeit wahrgenommen werden können, schaffen einen guten Ausgleich zum Arbeitsalltag. Doch nicht nur das: Sie fördern die Mobilität und das Körpergefühl, erweitern die individuellen Fähigkeiten und stärken damit das Selbstwertgefühl, die Persönlichkeit und auch die Leistungsfähigkeit der Einzelnen.

Das Angebot der arbeitsbegleitenden Maßnahmen wird regelmäßig den Wünschen und Bedürfnissen der Beschäftigten angepasst.

Zurzeit bieten wir z.B. folgende Aktivitäten an:

Sport: Schwimmen, Fußball, Gymnastik, Nordic Walking, Bowling, Entspannungstraining …

Musik und Theater: Theater AG, Chor, Musik- und Rhythmusunterricht …

Kreativität: Kreativwerkstatt, Töpfern, Origami, Märchen und Geschichten …

Fortbildung: Erste Hilfe, Arbeitsschutz …

Förderkurse: Lesen Schreiben Rechnen, Computer, ZERA …

Selbsterfahrung: Frauengruppe, Sexualberatung …

Ausflüge: ins Museum, Musical, zur Feuerwehr …